Bestickung von Textilien

Nachdem wir uns beim letzten Mal angesehen haben, wie aus einem Bild eine Stickdatei entsteht, geht es heute darum, wie die Bestickung von Textilien vonstatten geht.

Das Stickgarn

Stickgarne
Eine Auswahl an Stickgarnen

Stickerei verdankt ihre Beliebtheit u.a. dem natürlichen und schönen Glanz des Stickgarns und der Langlebigkeit der Stickveredelung. Es gibt Stickgarne aus verschiedenen Materialien ( z.B. Baumwolle, Viskose, Polyester, flammhemmenden Fasern usw.). Deren Einsatz wird durch die späteren Anforderungen an das bestickte Kleidungsstück bestimmt. Wird das bestickte Teil stark beansprucht, industrieller Wäsche oder Bleichprozessen unterzogen, empfiehlt sich Polyestergarn, da dieses strapazierfähig, chlorbeständig, kochfest und absolut farbecht ist. Das Stickgarn bleicht weder aus noch verfärbt es das Textil. Polyestergarn hat einen schönen Glanz, ist in vielen Farben verfügbar und kann in verschiedenen Garnstärken produziert werden. Die Standardstärke ist die Garnstärke No. 40. Bei Stickgarnen ist es so, dass eine kleinere Zahl ein dickeres Garn bezeichnet und eine größere Zahl ein feineres Garn. Die Garnstärke No. 60 ist also feiner als Garnstärke No. 40. Je dünner das Garn ist, desto feinere Schriften und Details können sauber gestickt werden. Allerdings ist feines Garn natürlich weniger strapazierfähig als dickeres und die Stichzahl muss deutlich erhöht werden, um die gleiche optische Dichte zu erreichen.
Beim maschinellen Sticken wird – genau wie bei Nähmaschinen – der Faden durch Untergarn im Textil gehalten. Dieses Untergarn ist in der Regel einfach weiss oder schwarz, je nach Textilfarbe.

Warum benötigt man Vliese und Folien?

Vliese und Folien
Verschiedene Vliese und Stickfolien

Wenn man ein Textil ohne Stickvlies in einen Stickrahmen spannt, kann es beim Sticken zu einem enttäuschenden Ergebnis kommen. Die Stickerei kann sehr unsauber und unschön aussehen, da der Stoff Falten werfen kann oder sich an den Stellen, an denen viele Sticke zusammenkommen, kleine Löcher bilden. In sehr grobmaschigen Geweben können Teile der Stickerei “verloren gehen”, wenn die großen Zwischenräume nicht durch Vlies oder Folie abgefangen werden. Das Vlies bzw. die Folie beugt auch dem Verzug der Stickerei vor. Die Komponente Stickvlies bzw. Stickerei-Spezialfolie ist somit ein wichtiger Faktor für eine qualitativ gute Stickerei. Es stabilisiert die textile Fläche, die bestickt werden soll. Da es eine Vielzahl Textilien aus verschiedenen Materialien und unterschiedlicher Dicke gibt, gibt es auch eine Vielzahl unterschiedlicher Folien und Vliese mit verschiedenen Eigenschaften, meist auch in schwarz für dunkle Stoffe.

Die Auswahl des Stickrahmens

Es gibt verschiedene Stickrahmenarten und -größen. Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Typen von Klemmrahmen, bei denen das Stickgut zwischen Ober- und Unterrahmen geklemmt wird und Kleberahmen, bei denen das Textil mit einem klebenden Stickvlies fixiert wird. Zusätzlich gibt es noch diverse spezielle Befestigungssysteme für Caps, Bordüren, Schuhe und ähnliche Sonderfälle. Die Größe des Motivs sowie das zu bestickende Material bestimmen, welcher Stickrahmen verwendet werden muss.

Klemmrahmen
Klemmrahmen in verschiedenen Größen
Kappenrahmen
Kappenrahmen mit Antrieb und Zubehör

Ist das Textil überhaupt bestickbar?

Damit das Stickgut bestickbar ist, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die zu bestickende Stelle des Textils muss zusammen mit dem Stickvlies in einen Stickrahmen eingespannt oder geklebt werden können. Ein Beispiel: Die Kopfstütze eines Autositzes lässt sich nicht maschinell besticken. Der abnehmbare Bezug dieser Kopfstütze vielleicht schon.
KlemmrahmenKlemmrahmenKlemmrahmen

Klemmrahmen mit eingespanntem Textil (schwarz) und Vlies (weiss)

  • Stickrahmen und Textil müssen sich, in die Stickmaschine gespannt, noch genug zwischen Stickarm und Nadel bewegen können.
KlemmrahmenKlemmrahmenKlemmrahmen

Nadelkopf und Stickarm ohne und mit eingespanntem Stickrahmen

  • Es dürfen im zu bestickenden Bereich keine “Hindernisse” sein. Dazu zählen z.B. Reißverschlüsse, Applikationen, aufgesetzte Taschen und Ähnliches. Dies gilt auch für die Innen- bzw. Rückseite des Textils, da der Stickvorgang natürlich beide Seiten des Textils betrifft. Alles was sich zwischen Nadel und Stickarm befindet wird durchstochen und zusammengestickt. Sofern die Nadel dabei nicht bricht.
  • Ist das Material für eine Bestickung geeignet? Jeder kann sich selbst denken, dass zum Beispiel eine Nylonstrumpfhose oder eine Fleischerschürze aus sehr dickem Leder ungeeignet sind. Aber auch andere Materialien können ungeahnte Probleme machen. Hier ist die Erfahrung des Stickers oder zur Not ein Versuch gefragt.

Der Ablauf

Eingespanntes Shirt
Für die Bestickung vorbereitetes Shirt
Wenn der Stickauftrag vorliegt und die Stickdatei erstellt ist lädt der Sticker die Datei in die Stickmaschine. Die zu verwendende Garnstärke hat der Puncher beim Erstellen der Datei festgelegt und hoffentlich zusammen mit den benötigten Garnfarben dokumentiert. Zur Not hilft ein Probestick bei der Entscheidung. Der Sticker zieht die benötigten Garne und Nadeln auf. Das verwendete Garn und das zu bestickende Material bestimmen, welche Nadelstärke und welche Nadelspitze Verwendung findet. Dann entscheidet sich der Sticker für einen geeigneten Stickrahmen und wählt das Vlies aus. Das zu bestickende Textil wird zusammen mit dem Vlies in den Stickrahmen gespannt. Dabei muss genau auf die Position und die Spannung geachtet werden. An der Maschine wird dem Stickgut und dem Motiv entsprechend die Fadenspannung und die maximale Stickgeschwindigkeit eingestellt.
Fertiger Stick
Fertiger Stick in der Maschine
Dann kann der Stickvorgang gestartet werden. Alle diese Schritte und Entscheidungen erfordern für ein optimales Ergebnis ein gutes Augenmaß und viel Erfahrung vom Sticker. Hat die Maschine den Stickvorgang fehlerfrei beendet nimmt der Sticker den Stickrahmen aus der Maschine und spannt das Stickgut aus. Die Maschine ist nun bereit für den nächsten Stickvorgang. Dann werden falls nötig herausstehende Fäden bereinigt und überstehendes Vlies so weit möglich entfernt. Fertig.